Cannabis in Europa 2026: Wo es legal ist und welche Bußgelder drohen

20.07.2026
— 9
Min. Lesezeit

Nach Angaben der Europäischen Drogenagentur (EUDA) bleibt Cannabis die am weitesten verbreitete kontrollierte Substanz in Europa. Etwa 8 % der erwachsenen Europäer im Alter von 15 bis 64 Jahren haben im letzten Jahr Cannabis konsumiert, bei den jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 34 Jahren liegt dieser Wert bei etwa 15 %. Täglich oder fast täglich konsumieren rund 1,3 % der europäischen Bevölkerung Cannabis.

Es gibt keinen einheitlichen europäischen Ansatz zur Reglementierung. In Nachbarstaaten sieht das Gesetz für den Besitz derselben Menge sowohl geringfügige Verwaltungsstrafen als auch eine strafrechtliche Verfolgung mit tatsächlichen Haftstrafen vor.

Das Wichtigste auf einen Blick


Wie ist die allgemeine Lage bezüglich Cannabis in Europa?

In Europa gibt es keinen einheitlichen Rechtsrahmen: Die Politik der Staaten reicht von der vollständigen Kriminalisierung bis zur Schaffung regulierter Märkte. Die grenzüberschreitende Beförderung der Substanz ist in allen Fällen streng verboten, es sei denn, es liegt eine spezielle medizinische Genehmigung vor (Bescheinigung nach Art. 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens).

Worin unterscheiden sich die liberalen Modelle der EU-Länder?

Eine Reihe von Ländern (wie Deutschland, Malta, Luxemburg) hat den privaten Anbau und Besitz teilweise legalisiert, der Erwerb für Touristen ist dort jedoch ausgeschlossen. In Spanien ist der Zugang nur über geschlossene private Clubs möglich, deren Tätigkeit auf regionaler Ebene geregelt ist und sich in einer rechtlichen „Grauzone“ befindet. In den Niederlanden wird der Verkauf in Coffee-Shops im Rahmen der Toleranzpolitik formell nur geduldet, ist aber gesetzlich nicht legalisiert.

Flaggen europäischer Staaten — Legalisierungsstatus und Bußgelder für Cannabis in der EU

Begriffsklärungen

Legalisierung (Legalization) — Vollständige Aufhebung des rechtlichen Verbots. Der Staat reguliert, lizenziert und besteuert die Produktion, den Vertrieb und den Konsum der Substanz analog zu Alkohol und Tabak.

Entkriminalisierung (Decriminalization) — Milderung der Haftung. Der Besitz geringer Mengen zum Eigenbedarf wird von einer Straftat zu einer Ordnungswidrigkeit herabstufen und mit Bußgeldern geahndet.

Entpönalisierung (Depenalization) — Formell bleibt die Tat strafbar, jedoch verhängen Gerichte und Polizei aufgrund von Gesetzen oder Dienstanweisungen keine tatsächlichen Strafen gegen Zuwiderhandelnde.

Strenges Verbot

In dieser Ländergruppe wird Cannabis als gefährliche Droge eingestuft. Die Staaten verfolgen eine harte repressive Politik, und für den Umgang sowie den Konsum sind strenge gerichtliche Sanktionen vorgesehen.

🇸🇪 Schweden

In Schweden ist nicht nur der Besitz, sondern auch der unmittelbare Konsum von Betäubungsmitteln strafbar. Die Polizei hat das Recht, bei Verdacht auf kürzlich erfolgten Konsum einen erzwungenen Blut- oder Urintest anzufordern. Der Nachweis von Metaboliten im Körper gilt als ausreichender Schuldbeweis. Dem Zuwiderhandelnden drohen strafrechtliche Verfolgung, hohe Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 6 Monaten.

🇫🇷 Frankreich

Trotz des hohen Cannabiskonsums im Land bleibt die französische Gesetzgebung streng. Für den Besitz geringer Mengen wird ein pauschales Bußgeld vor Ort (amende forfaitaire) in Höhe von 200 € erhoben. Bei schneller Zahlung innerhalb von 15 Tagen reduziert sich der Betrag auf 150 €, steigt jedoch bei Zahlungsverzug auf 450 €. Das Vergehen wird in einer zivilen Datenbank registriert.

🇭🇺 Ungarn

Die ungarische Gesetzgebung sieht selbst für den Besitz geringer Mengen Cannabis zum Eigenbedarf eine strafrechtliche Haftung vor. Bereits bei einer minimalen Menge sieht das Gesetz eine Strafe in Form einer Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren vor.

🇱🇻 Lettland

In Lettland ist der Besitz selbst geringer Mengen Cannabis zum Eigenbedarf illegal. Der erste Verstoß zieht eine administrative Verwarnung oder eine Geldstrafe von bis zu 280 € nach sich. Eine erneute Festnahme innerhalb eines Jahres stuft das Vergehen jedoch automatisch als Straftat ein, was eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Monaten, Pflichtarbeit oder eine hohe Geldstrafe mit obligatorischem Eintrag ins Vorstrafenregister nach sich ziehen kann.

Medizinische Zulassung

In dieser Kategorie von Staaten ist der Freizeitkonsum verboten, jedoch haben die offiziellen Behörden die therapeutischen Eigenschaften der Pflanze anerkannt und Protokolle für die Verschreibung an Patienten ausgearbeitet.

🇬🇧 Vereinigtes Königreich

Medizinisches Cannabis ist im Vereinigten Königreich seit Ende 2018 auf ärztliches Rezept legalisiert, hauptsächlich im privaten Gesundheitssektor. CBD-Produkte, die den britischen gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, werden legal rezeptfrei verkauft. Freizeit-Cannabis bleibt vollständig verboten. Die Strafe für den Besitz hängt von den Bestimmungen der jeweiligen regionalen Polizeibehörde ab und reicht von Verwarnungen (Cannabis Warning) über außergerichtliche Einigungen (Community Resolution) bis hin zu Geldstrafen oder Festnahmen.

🇮🇹 Italien

In Italien ist medizinisches Cannabis legal und wird teilweise von der staatlichen Krankenversicherung übernommen. Der Anbau des medizinischen Rohstoffs wird von einem militärischen pharmazeutischen Betrieb in Florenz überwacht. Der Besitz geringer Mengen zum Freizeitkonsum ist keine Straftat, zieht jedoch Verwaltungsstrafen nach sich: vorübergehender Entzug des Führerscheins, des Personalausweises oder des Reisepasses. Produkte der Kategorie „Cannabis Light“ mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 % dürfen legal nur als Souvenirs verkauft werden.

🇵🇱 Polen

Medizinisches Cannabis ist in Polen seit 2017 legalisiert. Darauf basierende Präparate werden aus dem Ausland importiert und in Apotheken ausschließlich auf Spezialrezept (Rpw) für Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen abgegeben. Der Freizeitkonsum bleibt streng verboten: Der Besitz jeglicher Menge Cannabis ohne ärztliches Rezept ist eine Straftat, obwohl Staatsanwälte das Recht haben, Verfahren bei geringfügigen Mengen einzustellen.

🇬🇷 Griechenland

Griechenland hat die Nutzung von Cannabis für medizinische Zwecke im Jahr 2018 legalisiert und später den inländischen Anbau sowie die Produktion für pharmazeutische Zwecke gestattet. Patienten können Präparate streng auf ärztliches Rezept über spezialisierte Apothekennetze beziehen. Jeglicher Umgang, Anbau und Konsum zu Freizeitzwecken ist vollständig verboten und wird gerichtlich verfolgt.

Modernes Interieur eines Cannabis Social Clubs in Europa

Regulierter Freizeitkonsum

Diese Staaten haben den Besitz, den Konsum und den Anbau von Cannabis für volljährige Bürger teilweise entkriminalisiert oder legalisiert.

🇩🇪 Deutschland

Seit April 2024 gilt in Deutschland das Cannabisgesetz (CanG). Volljährigen Personen ist es erlaubt, bis zu 25 Gramm Cannabis an öffentlichen Orten und bis zu 50 Gramm im privaten Wohnsitz mitzuführen bzw. zu lagern sowie bis zu 3 Pflanzen anzubauen. Der Beitritt zu nicht-kommerziellen „Cannabis Social Clubs“ zum gemeinsamen Anbau ist nur Personen gestattet, die seit mindestens sechs Monaten ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Der öffentliche Konsum ist im Umkreis von 100 Metern um Schulen, Kindertagesstätten, Spielplätze und tagsüber in Fußgängerzonen verboten.

🇪🇸 Spanien

Das spanische Modell stützt sich auf das verfassungsmäßige Recht der Bürger auf Privatsphäre. Konsum und Anbau von Cannabis zum Eigenbedarf im privaten Bereich gelten nicht als Vergehen, solange keine Anzeichen für einen Handel vorliegen. Das Gesetz legt keine feste zulässige Anzahl von Pflanzen fest. Der Kauf, Besitz oder Konsum von Cannabis an öffentlichen Orten wird mit einem Bußgeld von 501 € bis 30.000 € geahndet.

Für einen sicheren Freizeitkonsum gibt es im Land Cannabis-Clubs (Cannabis Social Clubs). Dabei handelt es sich um geschlossene, private, nicht-kommerzielle Vereinigungen. In der Regel erfolgt der Beitritt auf Empfehlung eines bestehenden Clubmitglieds. Der Registrierungsprozess erfordert die Vorlage des Original-Reisepasses an der Rezeption und die Zahlung eines Jahresbeitrags von etwa 20 €.

Finanzielle Beiträge für das Produkt innerhalb der Vereinigung werden ausschließlich als Spenden (Donations) zur Deckung der Anbaukosten deklariert. Der Besitz von Cannabis außerhalb des Privatgeländes kann eine Verwaltungsstrafe nach sich ziehen. Das Mitführen der Substanz in Taschen oder Rucksäcken auf der Straße führt in der Regel zu einem Bußgeld.

Mitgliedskarte eines Cannabis Clubs in Barcelona

🇲🇹 Malta

Im Dezember 2021 wurde Malta das erste EU-Land, das den privaten Besitz, den Anbau von Cannabis und die Tätigkeit nicht-kommerzieller Vereinigungen legalisierte. Volljährigen Bürgern ist es erlaubt, bis zu 7 Gramm der Substanz mitzuführen und bis zu 4 Pflanzen zu Hause anzubauen. Der Verkauf erfolgt ausschließlich über nicht-kommerzielle Vereinigungen (analog zu den spanischen Clubs). Der Konsum an öffentlichen Orten und in Gegenwart von Minderjährigen ist strengstens verboten und wird mit hohen Bußgeldern geahndet.

🇱🇺 Luxemburg

Im Jahr 2023 hat Luxemburg Cannabis entkriminalisiert und teilweise legalisiert. Volljährigen Einwohnern ist es gestattet, bis zu 4 Pflanzen pro Haushalt am Ort ihres ständigen Wohnsitzes anzubauen und im privaten Rahmen zu konsumieren. Besitz und Konsum an öffentlichen Orten bleiben illegal, jedoch wurden die Bußgelder für den Besitz geringer Mengen (bis zu 3 Gramm) erheblich gesenkt und werden im Rahmen eines vereinfachten Verwaltungsverfahrens verhängt.

🇳🇱 Der Fall Niederlande

Seit 1976 gilt in den Niederlanden eine einzigartige Politik: Gedoogbeleid — die Politik der offiziellen Duldung. Entgegen einem weit verbreiteten Mythos ist Cannabis im Land rechtlich nicht legalisiert.

Der Besitz geringer Mengen (bis zu 5 Gramm) zum Eigenbedarf ist gesetzlich verboten, wird von den Strafverfolgungsbehörden jedoch praktisch nicht verfolgt.

Der Einzelhandelsverkauf wird in lizenzierten Coffee-Shops im Rahmen der Duldungspolitik (gedoogbeleid) gestattet, ist jedoch formell gesetzlich nicht legalisiert. Derzeit führt die niederländische Regierung ein Experiment zur Belieferung durch staatlich lizenzierte Erzeuger durch, um diesen rechtlichen Widerspruch zu beseitigen.

Stadtstraße in Europa Cannabis-Regeln für Reisende

FAQ

Darf man Cannabis innerhalb der EU transportieren?

Nein. Trotz der offenen Grenzen im Schengen-Raum gilt die grenzüberschreitende Beförderung von Cannabis (selbst wenn es legal erworben wurde) als illegaler grenzüberschreitender Drogenhandel und zieht eine strafrechtliche Verfolgung nach sich. Eine Ausnahme bilden nur Patienten mit einer speziellen medizinischen Genehmigung (Bescheinigung nach Art. 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens).

Sind die Clubs in Spanien legal?

Sie befinden sich in einer rechtlichen „Grauzone“. Spanische Gerichte dulden die Tätigkeit solcher Vereinigungen auf der Grundlage des Prinzips des „gemeinschaftlichen nicht-kommerziellen Konsums im geschlossenen Kreis Volljähriger“. Es gibt jedoch kein einheitliches nationales Gesetz, das ihre Tätigkeit detailliert regelt. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Autonomer Gemeinschaft und jeweiliger Gemeinde erheblich.

Ist Cannabis in Deutschland für Touristen erlaubt?

Das CanG entkriminalisiert den Besitz bis zur festgelegten Grenze auch für Nicht-Ansässige, allerdings gibt es für Touristen keine legalen Wege zum Erwerb. Nicht-kommerzielle Anbauclubs (Social Clubs) stehen nur Personen offen, die seit mindestens sechs Monaten ihren gewöhnlichen Wohnsitz in Deutschland haben. Der Kauf von Cannabis auf dem Schwarzmarkt bleibt illegal.

Darf man in europäischen Hotels rauchen?

In vielen europäischen Hotels ist das Rauchen (sowohl von Tabak als auch von Cannabis) in den Zimmern und auf den Balkonen durch interne Hausordnungen strengstens verboten. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder durch die Hotelleitung oder der Rauswurf.

Fazit für Reisende:

  1. Es gibt keine einheitlichen europäischen Regeln: Die Gesetze bleiben extrem fragmentiert. Was in Barcelona oder Berlin entkriminalisiert ist, führt in Paris zu einem hohen Bußgeld, in Rom zum Dokumenteneinzug oder in Stockholm zu strafrechtlicher Verfolgung.
  2. Informieren Sie sich über lokales Recht: Überprüfen Sie vor der Reise unbedingt die aktuellen Regeln der jeweiligen Rechtsordnung. Die offenen Grenzen des Schengen-Raums schließen punktuelle Polizeikontrollen auf den Straßen nicht aus.

Autoritative Quellen

crossmenu